Ägyptische Wanderheuschrecke

Ägyptische Wanderheuschrecke (Anacridium aegyptium) an einem Felsen oberhalb von Locarno.
Foto © Jürg Schlegel, Richterswil

Eine freilebende Heuschrecke so gross wie ein kleiner Vogel? Und das in der Schweiz und erst noch mitten im Winter?

Wer im Tessin Hausfassaden und Felsen absucht, kann manchmal mitten im Winter riesige geflügelte Insekten erblicken, die regungslos an der Sonne verharren. Es handelt sich meist um die Ägyptische Wanderheuschrecke (Anacridium aegyptium), einer vor allem im Mittelmeerraum und in Nordafrika verbreiteten Art, die sich im Tessin seit einigen Jahren ausbreitet. Die Heuschrecke überwintert als ausgewachsenes Insekt im Freien, was unter den heimischen Heuschrecken einzigartig ist. An kalten Wintertagen verkriecht sie sich in geschützte Spalten und kann wohl auch ab und zu ein paar Minusgrade ertragen. Die Ägyptische Wanderheuschrecke profitiert vom Klimawandel und ist mittlerweile nordwärts bis in den Raum Bellinzona vorgestossen. Trotz ihrer enormen Grösse von bis zu 7 cm und einer Flügelspannweite von bis zu 14 cm, welche die Heuschrecke an einen kleinen Vogel erinnern lässt, ist sie für uns Menschen absolut harmlos. Sie ernährt sich zwar von Pflanzen, neigt aber nicht zur Schwarmbildung, weshalb sie zumindest in Europa auch kaum nennenswerte Schäden verursacht. Dies im Gegensatz zur „klassischen“ Wanderheuschrecke (Locusta migratoria), die für biblische Plagen sorgen kann, in Mitteleuropa aber nur sehr selten auftritt.

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